Lüdinghausen. Das Hakehaus ist das älteste profane Gebäude in der Lüdinghauser Altstadt. Es liegt an der Steverbrücke, die zur Freiheit Wolfsberg führt. Seine Entstehung und ursprüngliche Nutzung als Armenhaus verdankt es einer mildtätigen Stiftung des Dietrich von Hake, der auf der untergegangenen Burg Patzlar im Kirchspiel (Pfarrbezirk) Lüdinghausen residierte. Hier verfasste er im Jahre 1643 angesichts der „gegenwärtig elenden und bedrängten Zeiten“ (des 30-jährigen Krieges) sein Testament und setzte zu seinen Erben die „gemeinen“ (gemeindlichen) Armen aus den Kirchspielen Lüdinghausen und Seppenrade ein. Denn Dietrich von Hake war kinderlos geblieben, weil er, wie es in seinem Testament heißt, „in stehender Ehe“ mit seiner „Allerliebsten selig“ keine Kinder gezeugt hatte.
Dietrich von Hake verstarb am 4. Januar 1648. Die lateinische Inschrift an der Giebelseite des Hauses verleitet zu der Annahme, dass von Hake den Bau dieses Haus selbst bestimmt habe. Tatsächlich hat er aber in seinem Testament das Armenhaus mit keinem Wort erwähnt. Auch wurde das Haus nicht 1648 erbaut. Den Beschluss zur Errichtung eines Armenhauses fasste der Stiftungsvorstand. Ihm gelang es erst 1666, von der Kirche ein geeignetes Grundstück zu erwerben. Mit dem Bau wurde 1667 begonnen, die Abnahme der Baurechnung erfolgte am 5. August 1672.
Alte Fotos zeigen, dass das Hakehaus sehr dem ehemaligen Rasfeldschen Armenhaus an der Mühlenstraße ähnelt. Aufnahme in dem Haus fanden sechs weibliche und sechs männliche über 50 Jahre alte Personen, denen von denörtlichen Pastoren bescheinigt wurde, dass sie zu den „meist bedürftigen, ehrlich wohl betenden, alten breßhaften (gebrechlichen) und unvermögenden“ Leuten gehörten. Keine Aufnahme fanden „unkatholische, kenntlich übel lebende, unsinnige, blinde oder sonst mit „betrefflichen“ (ansteckenden) Krankheiten behaftete arme Leute“.
Als Anfang des 20. Jahrhunderts alte, kranke Menschen vermehrt Aufnahme in den Krankenhäusern von Lüdinghausen und Seppenrade fanden und das Hakehaus sehr reparaturbedürftig geworden war, entschloss sich der Stiftungsvorstand1929, das Hakehaus umfassend zu renovieren und zunächst der katholischen Jugend zur Verfügung zu stellen. Diese Veränderung führte in den 30er Jahren zu Auseinandersetzungen mit den Nationalsozialisten, da nach deren Ansicht damit der eigentliche Stiftungszweck (Bau und Unterhaltung eines Armenhauses) hinfällig geworden war. Sie stellten fest, dass dadurch die Verwaltung der Stiftung an die Stadt Lüdinghausen übergehen müsse.
Der Stiftungsvorstand konnte diesen „Handstreich“ verhindern. Er wies nach, dass für den Bau und den Unterhalt des Hakehauses nur ein Teil des Stiftungsvermögens verwandt wurde und das übrige Vermögen zinsbringend angelegt und die Erträge den übrigen bedürftigen Personen zugute kamen. Der Vorstand fügte süffisant hinzu, dass selbst die Stadt Lüdinghausen mehrfach Stiftungsgelder für ihren Wohlfahrtsetat erhalten habe.
In der Folgezeit haben Inflation und wiederholte Renovierungen und Unterhaltungskosten den Etat der Stiftung arg belastet, so dass sich der Stiftungsvorstand 2004 zu einem Spendenaufruf entschloss. Trotz dieser Schwierigkeiten gelang es, das Hakehaus als städtebauliches Schmuckstück zu erhalten und heute als Begegnungsstätte für Jung und Alt anzubieten.
grootouders
ouders
broers/zussen
kinderen