Stamboom Dullemen » Judith WELF van ALTDORF (800-843)

Persoonlijke gegevens Judith WELF van ALTDORF 

  • Zij is geboren in het jaar 800 in Altorf.
  • Zij is overleden op 19 april 843 in Tours, Indre-Et-Loire, zij was toen 43 jaar oud.
  • Zij is begraven april 843 in Tours, Saint-Martin.
  • Een kind van Welf I van BEIEREN en Heilwig (Eigilwich) van SAKSEN

Gezin van Judith WELF van ALTDORF

Zij is getrouwd met Lodewijk van FRANKRIJK.

Zij zijn getrouwd in het jaar 819, zij was toen 19 jaar oud.


Kind(eren):

  1. Gisela van FRANKRIJK  ± 820-874 
  2. Karel van FRANKRIJK  823-877 


Notities over Judith WELF van ALTDORF

Judith, geb. ca. 805, wordt tijdens de paleisrevolutie die na de begunstiging van haar zoon Karel
plaatsvindt, gevangen gezet in het Radegundisklooster te Poitiers begin 830, maar komt weer vrij
en wordt na een reinigingseed hersteld; wordt opnieuw ten val gebracht in 833 en dan opgesloten
in het klooster Tortona in Noord-Italie, maar komt weer vrij 834; overl. Tours 19-4-843 Judith
Frankische Konigin --------- 795-19.4.843 Altdorf Tours Begraben St. Martin Tochter des
schwabischen Grafen Welf und der Sachsin Eigilwicha (Heilwich) Lexikon des Mittelalters: Band V
Spalte 797 ******************** Judith, Kaiserin --------- + 19. April 843 Begraben St. Martin
Tochter des Grafen Welf und der edlen Sachsin Eigilwi/Heilwig Zweite Gemahlin Kaiser LUDWIGS DES
FROMMEN Erste Erwahnung Februar 819 anlaßlich der Brautschau LUDWIGS unter den frankischen
Adelstochtern und der folgenden Heirat in Aachen. Willensstark und sehr schon (Thegan 26:
"pulchra valde"), gewann sie bald großen Einfluß auf LUDWIG, dem sie nach der Tochter Gisela
(819/22) den Sohn KARL (DEN KAHLEN) schenkte. Darauf bedacht, ihrem Sohn nebst seinen Brudern aus
1. Ehe des Kaisers einen Reichsteil zu verschaffen, stieß LUDWIG auf ihr Betreiben seine
ordinatio imperii (817) um, indem er statt der Drei- eine Vierteilung des Reiches vornahm und
KARL 829 Schwaben, Elsaß und Teile Burgunds ubertrug; er loste damit heftige innere Kampfe aus,
in denen die Sohne sich in wechselnden Allianzen gegen ihn und Judith erhoben. Besonders an
Judith schieden sich die Geister: Bewunderern wie Walahfrid Strabo standen scharfe Gegner wie
Wala von Corbie gegenuber, die unter der Anschuldigung des Ehebruchs mit dem Grafen Bernhard von
Barcelona zeitweise sogar ihre Verbannung vom Hof bewirkten. Nach der Ruckkehr setzte Judith die
Bemuhungen fort, KARL einen noch großeren Reichsteil zu verschaffen - mit dem Ergebnis, dass er
schließlich 839 Westfranzien erhielt. Durch Judith war LUDWIG DER FROMME vom Verfechter der
Reichseinheit zum Vorkampfer der Reichsteilung geworden und das Geschlecht der WELFEN in die
Spitzengruppe des großfrankischen Adels aufgeruckt. Literatur: ---------- E. Dummler, Gesch. des
Ostfrk. Reiches, 3 Bde, 1887-1888 - Fr. v. Bezold, Ksn. Judith und ihr Dichter Walahfried Strabo,
HZ 130, 1924. ----------ÿ
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---------------------------------------------------------------------------- Werner Karl
Ferdinand: Seite 444 ******************** "Die Nachkommen Karls des Großen bis um das Jahr 1000
(1.-8. Generation)" II. Generation 6 c ---- Zur Familie Judiths ("Welfen", frankisches Adelshaus
im Metzer Raum) siehe J. Fleckenstein, in: Tellenbach, St. und V 7ff. ------------ÿ
----------------------------------------------------------------------------ÿ
---------------------------------------------------------------------------- Treffer Gerd: Seite
45-46 *********** "Die franzosischen Koniginnen" Judith - die Schonheitskonigin Zweite Gemahlin
Ludwigs des Frommen (* 778; Kaiser 814-840) Geboren: 795, Altdorf - Heirat: 2. Februar 819 - +
19. April 843 Tours Die Wahl Judiths zur Konigin hat etwas Romanhaftes. LUDWIG laßt sich die
hubschesten Frauen seiner Umgebung, soweit sie aristokratischer Familien angehoren, vorfuhren und
wahlt unter ihnen ausgerechnet Judith. Ihre Familienverhaltnisse sind nicht gerade einfach.
Pippin der Kurze ist ihr Urgroßvater, andererseits ist der Sachsenkonig Widukind, den KARL DER
GROSSE besiegt und dessen Tochter Gerswind er geheiratet hat, ihr Großvater. Ihr Vater, Graf
Welf, der Begrunder des Geschlechtes der WELFEN, besitzt große Guter in Schwaben und Bayern.
Geboren wird Judith 795 in Altdorf. Wie Gerswind war sie nach der Niederlage Widukinds als Geisel
an den Aachener Hof gekommen. Die Hochzeit wird am 2. Februar 819 in der Pfalzkapelle gefeiert,
die der Architekt Eudes aus Metz fur KARL DEN GROSSEN entworfen hatte. Die Chronisten preisen den
Liebreiz, die literarische und musikalische Bildung der neuen Konigin, ihr Geschick und
Beharrungsvermogen - Eigenschaften, die einerseits beachtlichen Einfluß auf ihren Mann sichern,
die sie andererseits auch dringend braucht: Judith wird mit LUDWIG 25 Jahre lang ein Leben voller
Argernisse, Anfeindungen und familiarer Zwistigkeiten teilen. Judith bringt zunachst eine
Tochter, Gisela (um 820), dann am 13. Juli 823 in Frankfurt einen Sohn, KARL, zur Welt.
Normalerweise ist die Geburt eines Erben ein Ereignis, das in koniglichen Hausern freudig begrußt
wird. Die Geburt KARLS aber stellt die Erbteilung in Frage, die LUDWIG DER FROMME 817 unter den 3
Sohnen seiner 1. Frau getroffen hatte. Ein 4. Sohn kann die Sache nur komplizieren, und Judith
vergiftet das Klima noch zusatzlich dadurch, daß sie ihren Einfluß auf ihren Mann ausspielt, um
ihren Sohn den vorteilhaftesten Anteil zu sichern. Judith laßt an den Hof ihres Sohnes KARL
mehrere große Herren aus Bayern kommen, die dort den WELFEN-Clan bilden. Wie zu erwarten, nehmen
die Erben aus der 1. Ehe die neue Aufteilung nicht hin. Judith wird so zum Anlaß neuer Dramen. Am
Hofe stutzt sie sich auf Bernhard von Septimanien, den Grafen von Barcelona, und ihre Anhanger
verdrangen die alteingesessenen Machthaber. Naturlich ruft das Opposition hervor. Man beschuldigt
Judith und Bernhard, den Kaiser mit Hexerei zu beeinflussen und intime Beziehungen zueinander zu
unterhalten. Grafen und Geistliche nutzen diese Rivalitat im Konigshaus. 830-831 wird LUDWIG I.
abgesetzt. Sein Sohn LOTHAR aus 1. Ehe ubernimmt die Macht. Judith wird nach Poitiers ins
Heilig-Kreuz-Kloster verbannt, das Radegunde, die Gemahlin Lothars, gegrundet hate. Ihre Familie
und Parteiganger werden verfolgt. Im Oktober des folgenden Jahres aber stellt LUDWIG seine
Autoritat wieder her. Judith und Bernhard kehren zuruck. Doch schon im Juni 833 wird LUDWIG
erneut von seinem Sohn LOTHAR verdrangt, der eine neue Erbteilung durchsetzt. Judith wird diesmal
nach Tortona in die Lombardei ins Exil geschickt. Seine anderen Sohne aber holen LUDWIG am 28.
Februar 835 auf den Thron zuruck. Judith kewhrt zuruck und nimmt - von Verbrechen der Hexerei und
des Ehebruchs reingewaschen, die sie nicht begangen hatte - im Konigshaus ihren amgestammten
Platz wieder ein.. Unter dem Einfluß Judiths zimmert LUDWIG fur seinen Sohn KARL ein eigenens
Reich, laßt ihn im September 838 zum Konig kronen, gibt ihm Maine und Aquitanien, als Pippin, der
2. Sohn aus 1. Ehe, am 13. Dezember stirbt. Zwei Jahre spater, am 20. Juni 840 stirbt LUDWIG auf
einer Rheininsel vor Ingelheim im Alter von 62 Jahren. Sein Tod belebt die alten Streitigkeiten
neu. Judith furchtet den Ehrgeiz LOTHARS. Sie weiß, daß er seine Bruder uberflugeln will. Die
beiden jungeren - KARL DER KAHLE und Ludwig der Deutsche - verbunden sich und besiegen ihn am 25.
Juni 842 in der Schlacht von Fonteroy-en-Ouisaye, nahe Auxerre. Judith stirbt am 19. April 843 in
Tours. Sie hat in ihrer mutterlichen Beharrlichkeit den Sieg davongetragen. Ihr Sohn KARL erhalt
bei der reichsteilung von Verdun das Westreich (zwischen Atlantik und Rhone, Saone und Maas),
wahrend Ludwig der Deutsche das Ostreich Germanien erhalt. LOTHARS Gebiet erstreckt sich von
Friesland bis zur Kuste der Provence mit den Kaisersitzen Rom und Aachen. Dieser Vertrag wird auf
Jahrhunderte hinaus die europaische Landkarte beeinflussen. Er ist der Ausgangspunkt zweier
gro�er Nationen: Frankreichs und Deutschlands. ---------ÿ
----------------------------------------------------------------------------ÿ
---------------------------------------------------------------------------- Rappmann
Roland/Zettler Alfons: Seite 429 **************************** "Die Reichenauer Monchsgemeinschaft
und ihr Totengedenken im fruhen Mittelalter" JUDITH ----------- + 19.4.843 Necr. A/B 19.4. "Iudit
regina", Gemahlin LUDWIGS DES FROMMEN Literatur: ----------- AdB 14 Seite 655; Fleckenstein, Uber
die Herkunft, bes. Seite 95ff.; Werner, Nachkommen Tafel Nr. II/6 c; NDB 10 Seite 639f. (dort
falschlicherweise der 13.4. als Todestag); Biograph. Worterbuch 2 Spalte 1357f.; Konecny, Die
Frauen Seite 89-94 und Seite 97-102; Lexikon des Mittelalters 5 Spalte 797; Ward, Caesars's wife.
Zum Todestag: Dummler, Geschichte des Ostfrankischen Reiches 1 Seite 188 Anmerkung 2. Judith, die
Tochter des Grafen Welf und Schwester der Gemahlin Ludwigs des Deutschen, Hemma, war seit 819 mit
LUDWIG DEM FROMMEN verheiratet (BM² 683a). Ihre Bruder Rudolf und Konrad waren Grafen im
Bodenseeraum bzw. im Zurichgau; vgl. neuerdings Borgolte, Grafen Seite 165ff. und Seite 226ff.
Uber Walahfrid, der ab 829 fur langere Zeit am kaiserlichen Hof weilte und der Kaiserin mehrere
Gedichte widmete, kam es zu engeren Beziehungen zur Reichanau. Er gilt sogar als Erzieher von
Judiths Sohn KARL DEM KAHLEN; vgl. Beyerle, Von der Grundung Seite 92f., Seite 97ff., BM² 863a,
Bergmann, Dichrung Seite 732ff., Onnerfors, Walahfrid Strabo Seite 101, Bezold, Kaiserin Judith
Seite 377ff. und Haubrichs, Nekrologische Notizen Seite 15 mit Anmerkung. Wahrscheinlich hat
LUDWIG DER FROMME im Jahre 838 versucht, Walahfrid als Abt auf der Reichenau einzusetzen; vgl.
oben Seite 296f. und Beyerle, Von der Grundung Seite 99ff. Zu Gedenkbucheintragen mit Judith in
den Verbruderungsbuchern von Reichenau; Pfafers und St. Gallen vgl. Tellenbach, Welfen Seite
335ff., Beyerle, Das Reichenauer Verbruderungsbuch Seite 114f. und vorlaufig Libri confrat. Seite
546. ---------ÿ ----------------------------------------------------------------------------ÿ
---------------------------------------------------------------------------- Judith entstammte
einer ursprunglich frankischen, nun vornehmlich in Alemannien und Bayern beguterter Familie. Sie
wurde Anfang 819 wegen ihrer Schonheit die zweite Gemahlin LUDWIGS I. DES FROMMEN, wobei sie bei
einer "Besichtigung" der Tochter vornehmer Hauser durch den Kaiser als Siegerin hervorging.
Judith, die als schon und ehrgeizig uberliefert wurde, erhielt bei ihrer Vermahlung das Kloster
San Salvatore in Brescia als Beneficium. Da sie bemuht war, ihren 823 geborenen Sohn KARLeinen
Anteil an dem bereits 817 unter die anderen Sohne LUDWIGS DES FROMMEN verteilten Reiches zu
verschaffen suchte, richtete sich der Haß des Adels gegen sie und ihren Anhang und sie gab damit
Anlaß zum Ausbruch der Burgerkriege, die erst durch den Vertrag von Verdun 843 beendet wurden.
Seit 829 mit verschiedenen Buhlen des Ehebruchs verdachtigt, wurde sie 830 von den Aufstandischen
ins Kloster bei Poitiers gesteckt. Doch bereits im Oktober 830 konnte ihr Gatte LUDWIG auf der
Reichsversammlung in Nimwegen ihre Ruckkehr an seine Seite durchsetzen. Nachdem das Heer ihres
Gatten auf dem "Lugenfeld" zu Colmar zu dessen Sohnen ubergegangen war, wurde sie unter
LOTHARSVerantwortung gestellt, der sie nach Tortona (Italien) verbannte. Wenige Wochen, nachdem
LUDWIG die Macht zuruckgewonnen hatte, gelang ihr die Flucht und sie kehrte nach Aachen zuruck.
Schieffer Rudolf: ************** "Die Karolinger" Unter den durch Heirat in Konigsnahe geruckten
Geschlechtern gewannen vorerst die WELFEN den großten Einfluß, was kaum zu Unrecht dem
energischen Ehrgeiz der neuen Kaiserin Judith zugeschrieben wird. Jedenfalls muß auffallen, dass
ihre Mutter Heilwig die Leitung der vornehmen Konigsabtei Chelles erhielt, der eine Bruder Rudolf
sich die Verfugung uber die Kloster Saint-Riquier und Jumiges sicherte und der andere, Konrad,
zum wichtigen Machthaber in Alemannien wurde, uberdies verheiratet mit Adelheid, einer weiteren
Tochter Hugos von Tours und damit Schwagerin LOTHARS I. Nach der am 13.6.823 erfolgten Geburt
KARLS DES KAHLEN war Judith klug genug, gerade LOTHAR die Patenschaft anzutragen und ihm eine
nicht weiter konkretisierte Zusage fur ein kunftiges Erbteil KARL zu entlocken. Diwald Hellmut:
************* "Heinrich der Erste" Seite 102 Judith vergaß niemals ihre Abkunft. Dazu kam noch
der gewaltige Einfluß, den sie auf LUDWIG DEN FROMMEN hatte. Der Kaiser war ihr derart verfallen,
dass seine monchischen Versuchungen keinerlei Einfluß mehr auf seine Entschlusse ausubten, nicht
zuletzt deshalb, weil Judiths politische Vorstellungen kaum weniger deutlich ausgepragt waren als
ihr physischen Reize. Die Kaiserin forderte und umsorgte die sachsischen Reichsabteien, als waren
es ihre eigenen Schopfungen. Noch 7 Jahrhunderte spater war ein kostbares Kreuz, das sie Corvey
geschenkt hatte, im Kloster vorhanden. Ebenso wurde dort bis zur Sakularisation im Jahr 1803
jahrlich das Judithenbrot gespendet, eine reichhaltige Armenspeisung. Schmid Karl: Seite 425
*********** "Welfisches Selbstverstandnis" Judith, die Tochter Welfs und Heilwigs, Gemahlin
Kaiser LUDWIGS DES FROMMEN und Mutter KARLS DES KAHLEN, stand im Brennpunkt der karolingischen
Bruderkampfe um das Reich. Sie war die Mittlerin kaiserlicher Gunst fur ihre Bruder und
Verwandten. Diesen kam nun die Nahe zur Stirps regia, die Teilhabe am Konigsgeblut, zu. Der
personlichen Bindung an den kaiserlich-karolingischen Hof verdankten sie es, dass sie im ganzen
Reich neuen Besitz und hohe Stellungen koniglichen Dienstes erhielten. Wechselreich wirkten sie
in Alemannien, Bayern, Ratien, Burgund und Lotharingien und vor allem im ReichKARLS DES KAHLEN,
im Reich von Judiths Sohn. Hemma, die Schwester der Kaiserin, wurde die Gemahlin Ludwigs des
Deutschen. Hugo, mit dem Beinamen Abbas, vereinigte in seiner Hand die reichsten und
bedeutendsten Konigskloster im W-Frankenreich, wahrend Konrad der Altere und sein Sohn Konrad wie
auch der altere Rudolf versuchten, in Auxerre und Sens, in St. Maurice d'Agaune, in Jumieges, St.
Riquier, Valenciennes und anderswo ihrem Streben nach Herrschaft Ruckhalt zu geben und Positionen
des politischen Einflusses aufzubauen. Sosehr jedoch die Quellenzeugnisse diese Großen nach der
Vermahlung Judiths mit Kaiser LUDWIG DEM FROMMEN aus der Breite des Adels herausheben, bald
sollte dies nicht mehr der Fall sein. Die Nachfahren der Bruder der Kaiserin Judith namlich
gingen vom ausgehenden 9. Jahrhundert an wieder in der Weite der adeligen Geschlechter unter, als
sich die KAROLINGER-Herrschaft aufloste. Nur Rudolf, der Großneffe der Kaiserin Judith, vermochte
es, da er in Hoch-Burgund im Jahre 888 das Konigtum erlangte, eine geschichtliche Tradition
seiner Familie uber mehrere Generationen hinweg zu begrunden. Ennen, Edith: Seite 58-593
*********** "Frauen im Mittelalter" LUDWIG heiratet in zweiter Ehe die junge schone Judith, eine
WELFIN, eine sehr gebildete Dame; ja, ihre Verbindung zur Welt der Gelehrten und Dichter war
enger als die ihres Gemahls. Sie suchte vor allem die Zukunft ihres Sohnes KARL zu sichern, der
823 geboren wurde, also viel junger als LUDWIGS Sohne erster Ehe: LOTHAR geboren 795, Pippin
geboren um 803 und Ludwig geboren um 806. Auf die Teilungsplane des Reiches, die Anlaß vieler
Wirren boten, in die Judith sich einmischte, haben wir hier nicht naher einzugehen; wir bemerken
nur, daß KARL DER GROSSE 806 eine Teilung des Reiches unter seine Sohne vorsah, die nur
unterblieb, weil zwei von ihnen vor dem Vater starben. LUDWIG DER FROMME wollte unter kirchlichem
Einfluß 817 in der vielberedeten Ordinatio Imperii den frankischen Brauch der Reichsteilung
insofern abandern, als er LOTHAR die Kaiserwurde, den beiden jungeren Brudern nur
Unterkonigreiche zugestand, hat sich aber 829/30, als er wieder starker unter den Einfluß
weltlicher Großer geriet, erneut dem Teilungsbrauch zugewandt. Judith ging es um ihren Sohn. Sie
setzte zunachst auf den Paten ihres Sohnes LOTHAR. Ihr engster Vertrauter wurde Bernhard von
Septimanien, dessen Berufung an den Hof sie bewirkte. Sie geriet in den Verdacht eines
Verhaltnisses mit ihm und auch in den Verdacht der Zauberei. In dem großen Aufstand von 830 gegen
LUDWIG mußte Bernhard nach Barcelona fliehen, Judith wurde in das Radegundiskloster nach Poitiers
gebracht und hart bedrangt, LUDWIG zur Abdankung zu bewegen. Es kam aber zu einem Umschwung,
Judith wurde 831 in Aachen rehabilitiert. Bei dem gemeinsamen Aufstand der Sohne gegen LUDWIG
833/34 wurde sie anch Tortona in Italien verbannt, fand aber Wege, Botschaften uber die Alpen zu
bringen; noch einmal konne LUDWIG sich durchsetzen, aber die Ausstattung von Judiths Sohn KARL
blieb eine offene Frage. Erst Pippins Tod machte den Weg frei fur die von Judith angestrebte
Losung. Bevor sie Wirklichkeit wurde, starb LUDWIG. Judith half ihrem Sohn nach bestem Vermogen
im Kampf um sein Erbe und fuhrte ihm ein Heer zum Entscheidungskampf bei Fontanetum (Fontenay sw.
Auxerre) zu.. Es kam dann aber zu einer Entfremdung zwischen Mutter und Sohn; vor dem Abschluß
des Vertrages von Verdun (im August 843), der das Reich KARLS DES GROSSEN unter die Enkel
aufteilte, eine Teilung, die nicht mehr ruckgangig gemacht werden sollte, ist Judith am 11. April
843 gestorben. Riche Pierre: Seite 183,185-191,196 *********** "Die Karolinger. Eine Familie
formt Europa." LUDWIG war 818 Witwer geworden, und weil er diesen Zustand nicht ertragen wollte,
ließ er sich nach einigen Monaten die schonsten Tochter der Vornehmen im Reich vorfuhren und
entschied sich fur sie Ehe mit Judith. Seine zweite Gemahlin war die Tochter des Grafen Welf, der
in Bayern und in Alemannien nordlich des Bosensees, im Argengau, im Augst-Ammergau und anderwarts
reich begutert war. Judith, deren Schonheit und Klugheit von allen gepriesen wurde, sicherte sich
von Anfang an einen beherrschenden Einfluß auf den Kaiser, der erheblich alter war als sie
selbst. Sie erreichte von LUDWIG, daß er ihrer Mutter das Kloster Chelles schenkte, fur ihren
Bruder Rudolf setzte sie die Abteien Saint-Riquier und Jumieges durch. Fur ihren zweiten Bruder,
Konrad, erlangte sie Sankt Gallen, und sie konnte auch fur seine Eheschließung mit Adelheid
sorgen, der Tochter des Grafen Hugo von Tours, des Schwiegervater LUDWIGS DES FROMMEN [Richtig
ist: Hugo von Tours war der Schwiegervater LOTHARS I.]. Und schließlich heiatete Judiths
Schwester Hemma im Jahre 827 Ludwig den Deutschen, LUDWIGS DES FROMMEN dritten Sohn. Der Kaiser
war also mit dem eigenen Sohn verschwagert, wahrend ein anderer Schwager von ihm die Schwester
seiner Schwiegertochter geheiratet hatte. Vier Jahre lang war Judiths Ehe kinderlos geblieben
[Der Autor vergißt die Geburt der Tochter Gisela.], aber am 13. Juni 823 brachte die Kaiserin
einen Sohn zur Welt, der den Namen seines Großvaters KARL erhielt. Dies war der kunftige Kaiser
KARL DER KAHLE. zwischen den drei Sohnen aus erster Ehe und ihrer ehrgeizigen Stiefmutter, die
jetzt voller Stolz darauf war, dem Kaiser einen weiteren Sohn geschenkt zu haben, mußte es
unausweichlich zum Konflikt kommen. Auch die Kaiserin Judith, die ausschließlich an die Anspruche
ihres kleinen Sohnes dachte, konnte ihrerseits einige Gefolgsleute um sich sammeln. Zu ihnen
gehorte auch Markgraf Bernhard von Septimanien, ein Patenkind des Kaisers. Auf der Wormser
Reichsversammlung des Jahres 829 nahm das Kaiserpaar dann am Beginn von KARLS siebtem Lebensjahr
zum Anlaß, im August die Ausstattung des jungen Prinzen zu beschließen. Er erhielt Alemannien, zu
dem die WELFEN besondere Bindungen hatten, Ratien, Elsaß und einen Teil von Burgund. Zugleich
zwang LUDWIG seinen Sohn LOTHAR zum Abzug nach Italien und Wala, sich in das Kloster Corbie
zuruckzuziehen. Daruber hinaus machte er Bernhard zum Kammerer und gab ihm damit eines der
wichtigsten Amter im Reich; zusatzlich beauftragte er ihn mit der Erziehung des kleinen KARL. Mit
ihren einschneidenden Veranderungen sollte diese Palastrevolution den Beginn der Aufstande der
Sohne gegen ihren Vater auslosen. Trotz seines Ruckzugs nach Corbie wollte sich Wala nicht
geschlagen geben und sammelte die Anhanger der Reichseinheit um sich. Da er einige Informantern
am Hof behalten hatte, konnte er eine Verleumdungskampagne gegen Judith in Gang bringen. Glaubt
man den Geruchten, dann beging Judith mit ihrem Komplizen und Liebhaber Bernhard nicht nur
Ehebruch, sondern beide machten sich auch der Zauberei und sogar eines Mordversuchs schuldig.
Ganz gleich wie es um de Wahrheitsgehalt stand, jedenfalls war Walas Kampagne erfolgreich. Der
Aufstand brach aus, als LUDWIG im April 830 einen Feldzug gegen die Bretonen vorbereitete. Pippin
von Aquitanien, die Grafen Hugo und Matfrid, dazu noch Ludwig der Deutsche waren entschlossen,
den Kaiser aus der Macht Judiths und Bernhards zu "befreien". Der Kamerer brachte sich nach
Barcelona in Sicherheit, wahrend sich Judith nach Laon in ein Kloster fluchtete. Pippin und
Ludwig hatten darauf gedrangt, der Kaiser solle sich in ein Kloster zuruckziehen, aber LOTHAR,
schnell aus Italien herbeigeeilt, beschrankte sich darauf, die Beschlusse der Wormser
Reichsversammlung aufzuheben und im Namen seines Vaters die Regierung zu ubernehmen. Bernhards
Anhanger verloren ihre Positionen, Judith und ihre Bruder wurden in aquitanischen Klostern
verwahrt. Und der junge KARL wurde Monchen ubergeben, die ihn "auf den Eintritt in das
Monchsleben vorbereiten" sollten. Auf der Reichsversammlung zu Nimwegen (830) erhielt LUDWIG
seine Freiheit wieder, mit ihm auch seine Gemahlin, die sich aber mit einem Eid von den gegen sie
erhobenen Anschuldigungen reinigen mußte. Nach der Aachener Teilung dachte Judith nun an eine
Teilung des Reiches zwischen dem jungen KARL und LOTHAR, den sie dabei vollig falsch einschatzte.
Sobald LOTHAR wieder in Gnaden aufgenommen worden war, brachte er namlich ein neues Bundnis gegen
LUDWIG DEN FROMMEN zustande, dem sich auch sein zwei Bruder anschlossen. Es gelang ihm daruber
hinaus, Papst Gregor IV. dafur zu gewinnen, im Namen der Reichseinheit und der Versohnung der
Herrscherfamilie zu intervenieren. Das Zusammentreffen der beiden Parteien an dem spater
"Lugenfeld" genannten Platz im Elsaß, nahe bei Colmar, endete mit einem Mißerfolg des Kaisers.
Nachdem fast alle Vasallen von ihm abgefallen waren, wurde er von seiner Gemahlin getrennt, die
mit dem Papst nach Italien mußte, wahrend KARL in dem Kloster Prum verwahrt wurde. Nach der
Entthronung des Kaisers brach der Burgerkrieg wieder aus. Auf der einen Seite standen Pippin,
unterstutzt von Bernhard, der Rache an LOTHAR suchte, und LUDWIG DER FROMME, der sich bei Langres
mit Ludwig dem Deutschen vereinigt hatte. Angesichts der Ubermacht gab sich LOTHARgeschlagen und
versprach nach Italien zuruckzukehren. Der Kaiser zog nach Saint-Denis, wo ihm von den Bischofen,
die ihn entthront hatten, seine Waffen feierlich wieder angelgt wurden. Uber Aachen, wo der
Judith wieder traf, begab sich LUDWIG dann nach Metz. Nach LUDWIGS Tod konnte LOTHAR auch auf die
Unterstutzung Pippins II. zahlen, der sich mit einem Teil des aquitanischen Adels gegen KARL DEN
KAHLEN erhoben hatte. Dieser, inzwischen 17-jahrig, war nach Aquitanien gegangen, wo auch seine
Mutter Judith lebte. Schneidmuller Bernd: Seite 45-59,61,62,112,114,117 ****************** "Die
Welfen. Herrschaft und Erinnerung." Wechselnde Beratergruppen bei Hof spiegelten die sich
wandelnde Willensbildung, an der mehr und mehr die junge, schone Kaiserin teilhatte. Vor der
Schilderung jenes karolingisch-welfischen Dramas, das Reich wie Kaiserfamilie wiederholt an den
Rand des politischen Abgrunds fuhrte, gilt es freilich innezuhalten. Zu fragen ist namlich
zunachst nach den Umstanden von LUDWIGS Wiederverheiratung 819, nach der Braut und ihrer Familie,
anch den Handlungsspielraumen karolingischer Heiratspolitik wie nach den
Durchsetzungsmoglichkeiten großer Adelsverbande im karolingischen Großreich. "Darauf betrachtete
der Kaiser die meisten Tochter der Großen und wahlte sich Judith, die Tochter des Grafen Welf,
zur Frau." Diese Brautschau des 40-jahrigen Kaisers in Aachen deutete man fruher als wohl
inszenierte Schonheitskonkurrenz des verzweifelten Hofes, um dem alternden Herrscher dustere
Gedanken auszutreiben. Heute wird man eher an Vorbilder aus dem imperialen byzantinischen
Zerremoniell denken. Denn in der Tat ruttelte jede neu begrundete Kaiserverwandtschaft am
komplexen Gefuge der karolingischen Adelsgesellschaft, brachte der Familie der Kaiserin Hofnahe
ein und begrundete neue Loyalitaten. Die Auswahl des Kaisers mit seinem ausgepragten Bewußtsein
von Rang und Reichseinheit unterschied sich 819 ganz betrachtlich von der ersten Eheschließung
des damaligen Unterkonigs 794. Wohl dem Herrscher, der sich seinen Untertanen als Getriebener des
Hofes darstellen durfte! Genau das druckte der anonyme Biograph LUDWIGS aus: "Um diese Zeit achte
er auf Anraten seiner Vertrauten daruber nach, ob er eine neue Ehe schließen solle; manche waren
namlich besorgt, daß er die Regierung des Reiches niederlegen konnte. Doch, von ihnen gedrangt,
tat er schließlich ihrem Wille Genuge, beschaute die von uberall her herbeigefuhrten Tochter der
Vornehmen und nahm Judith, die Tochter des edlen Grafen Welpo, zur Gemahlin." Bloße Astethik
erklart die Auswahl nicht allein. Die Nachrichten uber Judiths Herkunft erscheinen moderner
Neugier freilich sparlich. Doch im Konzert der frankischen Quellen des 9. Jahrhunderts bezeichnen
sie exakt jene sozialen Voraussetzungen, die eine kaiserliche Braut auszeichneten: Abkunft von
den Vornehmen (nobilis) des Frankenreiches und damit Zugehorigkeit zu einer Adelsgesellschaft,
die im Gefolge der karolingischen Reichsbildung zu uberregionalem Rang und weitgespanntem Besitz
gelangt war. Auch wenn Judiths Vater Welfnur bei der Heirat seiner Tochter Judith jah aus dem
Quellendunkel hervortrat, auch wenn er in fruhmittelalterlichen Namenslisten zum Gedenken an
Lebende und Tote wohl nur einmal erscheint - der anonyme Biograph LUDWIGS DES FROMMENwie die
Reichsannalen ordnen ihn als edlen Großen in jene Gruppe ein, aus denen sich ein Kaiser seine
Braut suchte. Mehr uber Judiths Eltern meldete im 9. Jahrhundert allein der Trierer Chorbischof
Thegan, der Kaiser LUDWIGS Taten noch zu dessen Lebzeiten beschrieb: "Im folgenden Jahr vermahlte
er sich mit der Tochter seines Herzogs Welf, der einer hochadeligen Familie der Bayern
entstammte. Das Madchen hieß Judith und gehorte von seiten seiner Mutter Heilwig einem
hochadeligen sachsischen Geschlecht an. Judith erhob er zur Konigin; denn sie war von großer
Schonheit." Die Ehe Welfs mit der sachsischen Adligen Heilwig, spater Abtissin im Kloster Chelles
(um 825), markiert die Fahigkeit zu weitgespannter adliger Heiratsverbindung, wahrend die
Benennung als "sein herzog" adligen Rang und Kaisernahe bezeichnet. Mit Thegans eindeutiger
Zuweisung Welfs in ein hochadliges Geschlecht der Bayern wußte die neuere Forschung indes lange
wenig anzufangen. Aus dem Aufstieg der WELFEN im karolingischen Umkreis kannte man die
adlig-konigliche Herrschaftsbildung im westfrankischen Reich wie in Burgund ebenso wie die zahe
Behauptung adligen Besitzes in Alemannien. Studien zur Besitzgeschichte, die auf Grund der
schutteren Uberleiferung Nachrichten aus mehreren Jahrhunderten verknupften und darum mit manchen
Hypothesen arbeiten mußten, ließen bayerische Herkunft zunachst wenig plausibel erscheinen. Die
in Alemannien, in Bayern und im Alpenraum ermittelte Herrschaftsbildung schien vielmehr erste
Schwerpunkte des 9. Jahrhunderts in Alemannien (Schussen- und Argengau) unsd spatere Ausgriffe
des 10./11. Jahrhunderts in das bayerisch-alemannische Grenzgebiet (Lechrain, Augst- und
Ammergau) wie in den ferneren Alpenraum (Norital, Vinschgau, Unterengadin) wahrscheinlich zu
machen. Als neben besitzgeschichtlichen Analysen auch namenkundliche traten, konnten Herkunft und
Stufen des Besitz- wie Herrschaftserwerbs noch genauer ermittelt werden.: Zum Vorfahrenkreis
Welfs und seiner Tochter Judith mussen die Grafen Ruthard und Warin gerechnet werden, die in der
Zeit Konig Pippins (751-768) an der Einbindung Alemanniens ins Frankenreich mitwirkten. Trotz
ansprechbarere namenkundlicher Uberlegungen bleiben ihre Herkunft aus dem austrasischen
Maas-Mosel-Gebiet, der Heimat der KAROLINGER, ihre Volkszugehorigkeit als Franken und ihre
Schenkertatigkeit im Rhein-Neckar-Gebiet wie im frankisch-thuringischen Raum dunkel und vielfach
umstritten. Mit nicht von der Hand zu weisenden Argumenten wird neuerdings sogar ihre Herkunft
aus Alemannien behauptet. Wir werden aber sehen, daß gerade die Vielfalt der raumlichen und
ethnischen Bezuge solche Adelsverbande pragte. In Alemannien begegnete Ruthard in mehreren
Grafschaften und war, folgt man spateren und nicht immer einwandfreien Uberlieferungen, an
mehreren oberrheinischen Klostergrundungen beteiligt (Arnoldsau, Schwarzach, Gengenbach,
Schuttern, Ettenheimmunster). Dagegen bewahrte die spatere St. Galler Uberlieferung die
Negativbotschaft, Ruthard und Warin hatten Abt Otmar von St. Gallen (+ 16.11.759) in den Tod
getrieben. Vielleicht wirkten sie bei den Bemuhungen der karolingischen Herrschaft mit, die
alemannische Klostergrundung eigener Botmaßigkeit zu unterwerfen. Positiver gestaltete sich
demgegenuber die Erinnerung an die beiden Administratoren Alemanniens im Kloster Reichenau, wo
man Warin und Ruthard gar zu den eigenen Wohltatern rechnete. Will man Ruthard als (vielleicht
kognatischen) Vorfahren Welfs und Judiths akzeptieren, so wird Kaiser LUDWIGS Brautwahl um so
verstandlicher. Denn Ruthard gehorte auf Grund seiner vielfaltigen Bindungen im frankischen Reich
zur engeren Unmgebung Konig Pippins, verfugte uber betrachtlichen Besitz im ostrheinischen Gebiet
und uber Beziehungen nach St-Denis, Prum und Fulda, vielleicht sogar nach Gorze. Im koniglichen
Auftrag hatte Ruthard gemeinsam mit Abt Fulrad von St-Denis Papst Stephan II. 753/54 zu jenem
welthistorischen Treffen mit Pippin geleitet, auf dem das lange wirkende Bundnis von Papst und
Franken-Konig begrundet wurde. Um so nachdenklicher muß Ruthards Verschwinden aus der
Uberlieferung seit 769 stimmen. Vielleicht hatte er die frankischen Konfiskationen in Alemannien
zum eigenmachtigen Besitzerwerb benutzt? Jedenfalls traten er und seine Familie in der
Regierungszeit KARLS DES GROSSEN (768-814) sogleich ins Quellendunkel. Und erst der dritte
karolingische Herrscher LUDWIG DER FROMME, der sich programmatisch vom Vater absetzte, fuhrte die
Nachkommen Ruthards wieder glanzvoll in erneute Hofnahe. Gewiß - es ist nicht eindeutig zu
entscheiden, ob hier Zufalle der Uberlieferung oder politische Intentionen bei der Ausgestaltung
der herrscherlichen Umgebungam Werk waren. Aber die Verknupfung des Herzogs/Grafen Welf wie
seiner Tochter Judith mit dem Vorfahren Ruthard beleuchtet den besonderen Rang einer Adelssippe
mit weitgespannten Aktionsrahmen von Austrasien uber Sachsen nach Alemannien und Bayern, typisch
fur die Zugehorigkeit zur aristokratischen Spitzengruppe. Mit ihren Herrschern verknupfte sie
Volker und Raume und gewahrleistete als uberschaubarer Personenverband das Funktionieren eines
Großreichs von geringer Koharenz in der Infrastruktur. Indes mag man nicht gar so achtlos Thegans
Bericht von der Herkunft Welfs aus vornehmen bayerischen Adel beiseite schieben und mit
geographischer Unkenntnis eines frankischen Chroniste erklaren. Schließlich handelt es sich um
die einzige und dazu eindeutige Nachricht uber die Abstammung, die wir aus dem 9. Jahrhundert
besitzen. Nur schwerlich kann man sie mit allerlei weitlaufig-luftigen besitz- und
namengeschichtlichen Spekulationen vollends beiseite schieben. Wieder greifen wir nach
Quellensplittern aus quellenarmer Zeit, um Geschichte nicht gegen die Uberlieferung schreiben zu
mussen. Denn nicht immer irrten die mittelalterlichen Schreiber, und nicht immer sind moderne
Konstrukteuere kluger. Quellensplitter uberliefern uns nicht die Taten der Bischofe von Auxerre
die Nachricht, daß sechs bayerische Große in den 30-er und 40-er Jahren des 8. Jahrhunderts auf
Kosten der Kathedralkirche von Auxerre mit Besitz ausgestattet wurden? Noch zwischen 813 und
859/60 regierten in Auxerre drei Bischofe aus einer Familie bayerischer Herkunft. Besaßen die
welfischen Bruder und Neffen der Kaiserin Judith den westfrankischen Schwerpunkt ihrer Herrschaft
nicht gerade in Auxerre? Vielleicht wurde er ihnen gar nicht erst spater von KARL DEM KAHLEN
zugewiesen, sondern war von den Vorfahren ererbt? Liegen nicht gerade hier besitzgeschichtliche
Kontinuitaten vor, welche der emsige landesgeschichtliche Forschung in ihrer Fixierung auf
Deutschland bisher nur in Alemannien oder Bayern suchte? Und gingen bei der Suche nach den
welfischen Kognaten in Alemannien nicht die eigentlichen frankischen Ursprunge der Agnaten in
Auxerre, in St-Riquier, in der fruhmittelalterlichen Francia (Franzien) zwischen Seine und Maas
verloren? Die Fragezeichen mussen stehenbleieben. Doch soll die Hypothese im Gedachtnis haften
bleiben, daß Judiths Vater Welf vielleicht ein Aristokrat mit Besitz von Bayern bis nach
W-Franken war, Nachkomme eines im Auxerrois beguterten bayerischen Großen, Verwandter des
alemannischen Grafen Ruthard, verheiratet mit einer sachsischen Adligen. 819 oo 2. LUDWIG
I. DER FROMME 16.4.778-20.6.843 Kinder: Gisela 819- nach 1.7.874 836 oo Eberhard Markgraf von
Friaul um 810- 866 KARL II. DER KAHLE 13.6.823-6.10.877 Literatur: ----------- Borgolte
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der Grafschaften Alemanniens in frankischer Zeit.Vortrage und Forschungen Sonderband 31 Jan
Thorbecke Verlag Sigmaringen 1984, Seite 92,193,202,229, 254 - Deutsche Geschichte Band 1 Von den
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zur Geschichte Lothringens und des Reiches im 9., 10. und 11. Jahrhundert. Kommissionsverlag:
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Schneidmuller Bernd/Weinfurter Stefan: Otto III. Heinrich II. Eine Wende? Jan Thorbecke Verlag
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Weinfurter Stefan: Heinrich II. Herrscher am Ende der Zeiten. Verlag Friedrich Pustet Regensburg
1999, Seite 201 - Werner Karl Ferdinand: Die Ursprunge Frankreichs bis zum Jahr 1000. Deutscher
Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, Munchen 1995, Seite 426, 429,444 - Wies Ernst W.: Otto der
Große. Kampfer und Beter. Bechtle Verlag Esslingen 1989, Seite 24 - Wordt tijdens de
paleisrevolutie die na de begunstiging van haar zoon Karel plaatsvindt, gevangen gezet in het
Radegundisklooster te Poitiers begin 830, maar komt weer vrij en wordt na een reinigingseed
hersteld; wordt opnieuw ten val gebracht in 833 en dan opgesloten in het klooster Tortona in
Noord-Italië, maar komt weer vrij 834., x Lodewijk I de Vrome der Franken

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