Er ist verheiratet mit Katharina MAAS.
Sie haben geheiratet
Kind(er):
10. BERGHEIMER MÜHLENFEST
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Man stelle sich vor: Die Bude voll
Sonntag für Sonntag. Alle möglichen
Menschen rennen einem die Türe
ein, trinken den Kaffeevorrat weg
und bleiben auch nicht mal eben nur
kurz. Nein, eigentlich ist der komplet
te Sonntagvormittag futsch. Nix mit
Ausschlafen, nix mit Sonntagsruhe.
Man stelle sich vor: Es werden im
mer mehr Menschen. Bald ist kein
Platz mehr im engen Wohnzimmer.
Doch anstatt die vielen Menschen
einfach an die Luft zu setzten, tut der
Hausherr etwas völlig absurdes: er
reißt die Zwischenwand ein und ver
größert so sein Wohnzimmer.
Man stelle sich vor: Irgendwann ist
auch dieser neu geschaffene, große
Raum viel zu klein für die zahlrei
chen Besucher. Und jetzt müssen al
le raus! Doch nur, um gleich neben
an ein neues großes Gebäude zu
beziehen. Natürlich hat der Hausherr
auch dieses Grundstück seinen Gäs
ten gespendet.
Kann man sich das vorstellen? –
Unmöglich? Nicht vor etwas mehr
als 150 Jahren. Nicht in Rheinhau
senBergheim.
Der gastfreundliche Hausherr, von
dem hier die Rede ist, hieß Börgard
Lindermann. Und als er sein Haus
auf der Schmiedestrasse baute, rich
tete er gleich einen Platz für eine so
genannte „Stubenversammlung“ ein.
Heute würde man wohl „Hausge
meinde“ dazu sagen. Und tatsäch
lich: Als Haus und Hof zu eng wur
den für die wachsende Gemeinde,
stiftete dieser Börgard Lindermann
kurzerhand einen Teil seines Grund
stücks für ein Gemeindehaus.
Seine Motivation dabei war klar und
ist heute schier unvorstellbar: Kein
wirtschaftlicher Profit trieb den Mann
an. Lediglich der Wunsch, dass sich
mit Hilfe seines ehrenamtlichen En
gagements der Glaube an Gott und
Jesus Christus in Bergheim ausbrei
ten konnte.
Das Gemeindehaus von damals
steht heute übrigens immer noch. Im
Laufe der Zeit wurde ein Wohnhaus
angebaut und ein neuer Vorbau be
herbergt ein Bistro, in dem auch
heute noch die Tradition des sonn
täglichen Kaffeeplausches nach dem
Gottesdienst gepflegt wird.
Und noch eine Tradition hat sich
bewahrt: Die Gemeinde an der
Schmiedestraße lebt nach wie vor
ausschließlich durch das Ehrenamt.
Einen hauptamtlichen Pastor be
schäftigt die Gemeinde nicht, die
Aufgaben werden unter den Ge
meindemitgliedern brüderlich aufge
teilt. Daher kommt vielleicht auch der
historische Begriff „Brüdergemein
de“. Als solche bezeichnet sich näm
lich die Gemeinschaft. Der offizielle
Name lautet aber „EvangelischFrei
kirchliche Gemeinde“. – Evangelisch,
weil die Menschen hier sich die Le
bensgeschichte
Jesu,
also
das
Evangelium zum Vorbild genommen
haben. Freikirchlich ist die Gemein
de, weil jeder Einzelne hier seine
Glaubensentscheidung
frei
leben
kann. Niemand anders kann für den
Menschen in dieser Sache Entschei
dungen treffen.
Weil die EFG aber heute weiß, dass
auch Christen anderer Gemeinden
und Gemeinschafte
n durchaus einen
ernsthaften Glauben vertreten kön
nen und dass alle echten Christli
chen Kirchen im Grunde die selbe
Zielrichtung haben, engagieren sich
die Mitglieder der kleinen Berghei
mer Gemeinde heute aktiv in der
Evangelischen Allianz. Wichtig ist
auch das gute nachbarschaftliche
Verhältnis. Zum Einen zu den Men
schen nebenan, aber auch zu den
Gemeinden in der näheren Umge
bung.
Übrigens: Gäste sind im Gemein
dehaus an der Schmiedestraße auch
nach knapp 160 Jahren immer noch
gerne gesehen. Den Kaffee gibt’s
nach wie vor umsonst.
Also: Herzlich Willkommen !!!
EFG – EvangelischFreikirchliche Gemeinde
Eine „Brüdergemeinde“
mitten in RheinhausenBergheim
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Die Quelle der Gemeinde Schmie
destraße 10 war im gegenüber lie
genden Hof, Schmiedestraße 5. Zu
dieser
Hofanlage
gehörte
eine
Schmiede. Das letzte heute noch be
stehende Gebäude, das zu dieser
Hofanlage gehörte steht direkt an der
Schmiedestraße. Es wurde 1855 von
dem Schmiedemeister Börgard Lin
dermann errichtet. Er war der Groß
vater von Hans – Herrmann Wittfeld,
einer unserer heutigen ältesten Ge
meindeglieder.
Börgard Lindermann war Obermeis
ter seiner Zunft mit 12 Mitarbeitern.
In dieser Schmiede wurden in den
besten Zeiten 240 Pferde pro Woche
beschlagen. Gegenüber der Schmie
de, in der heutigen Feuerwehr befan
den sich die Stellmacher (Nellen).
Dort wurden die großen Karrenräder
aus Holz angefertigt und anschlie
ßend in der Schmiede mit einem
großen Eisenreifen mit einer speziel
len
Schweißtechnik
aufgezogen.
Ebenso wurden hier Pflugscharen
ausgeschmiedet und große Eisento
re gebaut. 1908 wurde der Wasser
turm und die Schule „Auf dem Berg“
gebaut. Ein großes Eisentor zum
Schulhof und das Geländer auf dem
Wasserturm waren Glanzleistungen
dieser Schmiede. Das große Eisen
tor gibt es jetzt nicht mehr, ist unse
rer Gemeinde aber in Erinnerung ge
blieben.
Bei einer Kohlelieferung für die
Schulheizung quetschte der Kohle
wagen dem Einweiser, Kurt Linder
mann, einen Finger ab. Kurt Linder
mann war einer der Baumeister un
seres Gemeindeanbaus. Schon vor
1855 gab es auf dem Hof von Bör
gard Lindermann eine sogenannte
Stubenversammlung. Dies wurde bei
dem Neubau 1855 berücksichtigt
und ein kleiner Versammlungsraum
eingeplant.
Börgard Lindermann hatte nach
dem Tod seiner ersten Frau ein zwei
tes mal geheiratet und 14 Kinder. Die
Stubenversammlung war eine Split
tergruppe der pietistischen Bewe
gung dieser Zeit. Über 80 Jahre hat
das wohl gut funktioniert und die
Gruppe wuchs. Auf einem geschenk
ten Grundstück gegenüber der Hof
anlage konnte dann 1935 ein großer
Versammlungssaal eingeweiht wer
den. 1956 wurde das hintere Wohn
haus und 1990 der vordere Anbau
errichtet. Diese Geschichte prägt die
Gemeinde bis heute und wir schauen
zuversichtlich verbunden mit allen
Christenmenschen nach vorne.
Peter Becker (Gemeindeleiter)
Die Schmiede in Bergheim
ein Stück Geschichte
Der neue Versammlungssaal 1935
Blick über Bergheim 1936
Großeltern
Eltern
Geschwister
Kinder